Zur Geschichte des Radfahrer-Vereins Zwenkau 1890 e. V. (RV Zwenkau)

Der 1890 gegründete RV Zwenkau ist der älteste Radsportverein Sachsens und kann auf eine lange Tradition mit allen Höhen und Tiefen zurückblicken.

Anfänglich galt die Aufmerksamkeit des Vereins dem Reigen-, Kunstrad-, Touren- und Korsofahren. Letztere trugen dazu bei, den Bekanntheitsgrad des RV Zwenkau über die Stadtgrenzen hinaus zu erhöhen. Daraus ergab sich die Feststellung, dass der Verein für öffentliche Auftritte ein eigenes Banner (Vereinsfahne) haben sollte. Am 19. Juni 1901 war es dann so weit: das (vermutlich) von den Damen des RV Zwenkau gestickte Banner wurde feierlich im "Schützenhaus" Zwenkau geweiht.

Das Banner war von Paul Becher – in den 30er-Jahren Straßenrennfahrer im RV Zwenkau und Sohn des Vereinsgründers Albert Becher – über schwere Zeiten gerettet, aufbewahrt und 1990 dem Verein anlässlich seiner Wiedergründung übergeben worden. Der Leipziger Radsportler Dieter Wagler hat dem Übergabeakt folgende Verszeilen gewidmet:

Es war wirklich eine Frage der Zeit –
und anno ´90´, da war´s dann so weit.
Da wurde so, wie´s die Chronik verkündet,
der RV Zwenkau wieder gegründet.
Mit großer Freude – ein lautes `Hurra` –
die alte Vereinsfahne war auch wieder da!

Nach aufwendiger Restaurierung gehört das Banner zu den Vorzeigeobjekten unseres Vereins. Das Banner von 1901 ist auch mit einem gestickten Wappen versehen, das nach einer digitalen Überarbeitung seit 2003 und einer nochmaligen Anpassung 2022 gültiges Vereinslogo ist.

Nach einem mit der Vereinswiedergündung verbundenen zeitlichen Vorgriff zurück zur Vereinsgeschichte in chronologischer Reihenfolge.
Ab der Jahrhundertwende nahmen die radsportlichen Aktivitäten des RV Zwenkau deutlich zu. Genannt seien hier: sonntägliches Training mit Abrechnung der gefahrenen Kilometer und Anzahl der Touren, abendliche Trainingsausfahrten, Teilnahme an Wettbewerben des 1891 in Leipzig gegründeten Sächsischen Radfahrer-Bundes (SRB) im Tourenfahren um die meistgefahrenen Kilometer, Radtourenfahrten des Vereins, Kurzstreckenrennen für Senioren, Vereinsmeisterschaften und nicht zuletzt Teilnahme an Straßenrennen.

Nach Überstehen des 1. Weltkrieges und der schwierigen Nachkriegsjahre erzielte der RV Zwenkau ab Mitte der 1920er-Jahre bei der Wiederbelebung des regionalen Radsports eine große Breitenwirkung. Sportliche Talente wurden gefördert. Die Freude am radsportlichen Kräftemessen mit den Sportkameraden des SRB kehrte zurück. Die Geselligkeiten im Verein erlebten eine Renaissance.

Im 2. Weltkrieges wurde 1943 kriegsbeding jeglicher Sportbetrieb im RV Zwenkau eingestellt. Im April 1945 setzte dann die amerikanische Besatzungsmacht mit dem Verbot aller noch bestehender Parteien, Organisationen und Vereine den formellen Schlusspunkt, womit nach 55 wechselvollen Jahren ein großes Kapitel Zwenkauer Radsportgeschichte endete.

Ein vereinsmäßig organisiertes Fahren von Zwenkauer Radsportliebhabern kam in den Nachfolgejahren vorerst nicht zustande. Das änderte sich erst 1953 als in der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Aktivist Böhlen (1969 umbenannt in Chemie Böhlen) eine Sektion Radsport gegründet wurde. Dieser BSG schlossen sich auch Radsportbegeisterte aus Zwenkau an. Es dauerte aber noch bis zum Juli 1985, bevor Zwenkau als Stadt in Verbindung mit Radsport wieder von sich reden machte. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde auf dem Kurs "Rund um die Goethestraße" das Radkriterium "1. Großer Preis der Bergarbeiterstadt Zwenkau" ausgetragen, ausgerichtet von der BSG Chemie Böhlen. Damit hatte man einen sehr guten Griff getan, denn die Veranstaltung kam nicht nur bei den DDR-Radsportlern gut an. 1987 gingen auch Fahrer aus der BRD, den Niederlanden und der ČSSR an den Start. Das Kriterium entwickelts sich in den Folgejahren als "Großer Preis der Stadt Zwenkau“ zum alljährlich stattfindenden Traditionsrennen.

Mit der politischen Wende 1989/ 1990 in der DDR und den damit verbundenen betriebswirtschaftlichen Veränderungen im Böhlener Werk gingen die wirtschaftlichen Grundlagen für die Sektion Radsport in der BSG Chemie Böhlen verloren. So ergab sich für die Zwenkauer Radsportler die Frage, ob sie den Böhlener Verein auf eine neue Basis stellen können. Ihre Überlegungen führten zu einem ganz anderen Ergebnis, das durch die neuen gesellschaftlichen Verhältnisse möglich wurde: die Gründung eines eigenen Vereins!

Am 01.12.1990 war es dann so weit: 30 Radsportenthusiasten schlossen sich zu einem eigenen, unabhängigen Verein mit dem traditionsreichen alten Namen Radfahrer-Verein Zwenkau 1890 zusammen.

Seitdem hat sich der RV Zwenkau fest in der Vereinslandschaft der Stadt Zwenkau etabliert. Der Verein ist zu einem Begriff im Radsport des Landkreises Leipzig geworden und wurde vor allem durch die Ausrichtung der Radsportgroßveranstaltung "Sparkassen neuseen classics - rund um die braunkohle" von 2004 bis 2014 und die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren deutschlandweit bekannt.

Von den 30 bei der Wiedergründung des RV Zwenkau 1890 anwesenden Sportlern sind heute noch in unserem Verein: Thomas Scheibe (ab 1990 etliche Jahre Vereinsvorsitzender), Sprecher bei den vom RV Zwenkau und anderen Vereinen ausgerichteten Radsportveranstaltungen und tätig als Kommissär beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR), Gunter Häntsch aktiver Rennsportsenior und Übungsleiter für Kinder- und Jugendsport und die Radtourenfahrer Frank Hempel, Horst Jentzsch sowie Jürgen Linke
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Quellennachweis:
Wünschmann, Dietrich, 305.Beilage der „Zwenkauer Nachrichten“, Nummer 06-2015,19.Juni 2015
Wünschmann, Dietrich, 308.Beilage der „Zwenkauer Nachrichten“, Nummer 09-2015,13.November 2015
Schrödter, Brigitte, Vereinsmagazin "125 Jahre Radfahrer-Verein Zwenkau 1890 e. V.", 05.Dezember 2015

 

Die 3 Säulen des RV Zwenkau 1890 e. V.

Sportliche Schwerpunkte in unserem Verein sind der Radrennsport und das Radtourenfahren (RTF). 2009 haben wir mit der Gründung einer Abteilung Triathlon das Sportangebot unseres Vereins erweitert. Von den 123 Mitgliedern des RV Zwenkau (Stand: November 2009) sind 101 im Alter von 6 bis 73 Jahren radsportlich aktiv. 50 fahren Radrennen im Lizenzbereich. 51 gehören zur Gruppe der Hobbyrennsportler, Radtourenfahrer und Triathleten.

 

Radtourenfahren

Da sich viele Mitglieder des RV Zwenkau von Beginn an dem Radtourenfahren verschrieben haben, ist es nicht verwunderlich, dass seit Jahren die zahlenmäßig stärkste und erfolgreichste Mannschaft in Sachsen das blau-weiß-grüne Trikot unseres Vereins trägt

So fuhren 2009 33 RTF-Wertungskartenfahrer unseres Vereins bei Touren im gesamten Bundesgebiet insgesamt 22 602 km und sammelten 603 Punkte in der Radtouren A-Wertung des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

rtf fahrer desrv zwenkau
RTF-Fahrer des RV ZWENKAU am Start zur Burgen-Tour in Altenweddingen
Foto: U. Krause

 

Radrennen

Das zweite sportliche Standbein des RV Zwenkau bildet die Teilnahme an Radrennen auf der Straße, Bahn und im Gelände. 2009 waren unsere Rennsportlerinnen und Rennsportler bei 95 Straßenrennen im In- und Ausland, 10 Querfeldeinrennen, 13 Mountainbikerennen und 33 Bahnrennen am Start. Sie erkämpften dabei vier Landesmeistertitel und einige erste Plätze und Platzierungen unter den ersten Zehn. Der RV Zwenkau war bei den Deutschen Meisterschaften in den Disziplinen 1er Straße, Einzelzeitfahren und Bergfahren, bei der Weltmeisterschaft und beim Radweltpokal der Senioren, bei den Europameisterschaften der Senioren und bei einigen anderen Rennen im Ausland mit guten Ergebnissen vertreten.

stefan gaebel sieger des 23sten
Stefan Gaebel - Sieger des 23. Großen Preises der Stadt Zwenkau 2009
und Aufstieg in die höchste Amateurklasse Männer Elite A
Foto: Lydija Wegerdt
lydija wegeredt bei der seniorenweltmeisterschaft
Lydija Wegerdt bei der Seniorenweltmeisterschaft in St. Johann in Tirol (Österreich)
Foto: Foto Kriesche, St. Johann
 jörg koppe und gunter häntsch
Jörg Koppe und Gunter Häntsch beim 43. Lichtensteiner Kriterium
Foto: radsportphoto.de

 

Radrennsport-Nachwuchsteam

Seit 2004 bemühen wir uns, Rennsport-Nachwuchs für unseren Verein zu gewinnen und konnten in jenem Jahr mit zwei Jugendlichen (Klasse U 15 und U 17), die von einem Übungsleiter und erfahrenen Radsportlern aus dem Verein betreut wurden, den Anfang machen. Vor allem durch die Kinderrennen im Rahmen der "neuseen classics-rund um die braunkohle", aber auch durch die 'Kleine Friedensfahrt' bei unseren Radkriterien um den "Großen Preis der Stadt Zwenkau" und unsere Radsport-Schnuppertage gelang es uns, bei Kindern und Jugendlichen das Interesse am Radsport und an unserem Verein zu wecken, so dass wir erfreulicherweise ab 2005 zunehmend neue Vereinsmitglieder im Kinder- und Jugendalter bekommen haben. Damit war die Voraussetzung gegeben, im August 2005 ein Radrennsport-Nachwuchsteam im RV Zwenkau ins Leben rufen zu können, das mit Stand Januar 2010 aus 10 Sportlerinnen und Sportlern der Klassen U 11, U 13, U 15 und U 17 besteht.

das nachwuchsteam am start
Das Nachwuchsteam am Start zur Vereinsmeisterschaft 2006 im Straßenrennen am Hainer See
Foto: J. Wölfel

Das Team wird mit großem Engagement ehrenamtlich von unseren Vereinsmitgliedern Dirk Gerstäcker, Günter Nitz und Mario Chemnitz, die alle drei über eine C-Trainer-Lizenz verfügen, erfolgreich betreut. Material- und bekleidungstechnische Unterstützung erhält das Team durch den Verein und unsere Sponsoren. Die erfolgreiche Nachwuchsarbeit wurde mit der am 27.02.2008 durch den Sächsischen Radfahrer-Bund erfolgten Ernennung des RV Zwenkau zum Talentestützpunkt gewürdigt.

Mittlerweile sind unsere Nachwuchssportler in Sachsen durch ihre guten Leistungen keine Unbekannten mehr. Sie können stolz auf 6 Landesmeistertitel und weitere Spitzenplatzierungen sein.

Unsere "Jungrennerinnen" und "Jungrenner" würden sich natürlich besonders freuen, wenn sich am Radsport interessierte Mädchen und Jungen beim RV Zwenkau melden, die mit ihnen gemeinsam in der Gruppe trainieren und bei Lust und Liebe später an Radrennen teilnehmen möchten.

Seit der Neugründung des RV Zwenkau im Jahr 1990 errangen unsere Rennsportlerinnen und Rennsportler bis Ende 2009 220 erste Plätze bei Rennen auf Straße und Bahn, wobei zwei Siege und ein 3. Platz beim Radweltpokal der Senioren, zwei Vize-Europameistertitel der Senioren und 12 Landesmeistertitel die größten Erfolge sind.

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